Das Zwergenprojekt hat im Januar 2011 begonnen, ganz leise und fast heimlich, es hat sich in seinen ersten Monaten so entwickelt, wie ich es noch nicht einmal hätte träumen können.
Die Idee …
Die Idee war zu Beginn eigentlich keine Idee, es war einfach ein schöner Zufall, daß ein großes Möbelhaus weiß glasierte Zwerge für 1 Euro anbot. Irgendwie war ich davon angezogen und kaufte 10 Stück. Am nächsten Tag kaufte ich dann alle. 120 weiß glasierte Porzellan-Zwerge standen seit dem im Hof und um mein Haus herum. Meine Nachbarin kam nachts nach Hause und … lachte lauthals los. “Initialzündung” nennt man so etwas wohl …
120 weiße Zwerge um sich zu scharen ist schön, hat einen gewissen Charme. Für’s Objekt, für’s Design, für eine schöne, außergewöhnliche Freude. Und dann? Ja, mit denen muß doch mehr geschehen…
Der Hintergrund …
Seit 1989 leite ich die Winterwerkstatttage sowie die Sommerakademie Alfter. Im 23. Jahr ist es mir nun vergönnt, aus einer ehemals studentischen Idee jährlich zwei wachsende Projekte anzustoßen, zu leiten, zu organisieren. Ich ziehe meine große innere Freude daraus, dass Menschen – Frauen, Männer, Kinder – sich treffen um „ihre Kunst“ zu machen, um sich in den Ferien selbst zu verwirklichen. Freude zu schöpfen. Dies alles geschieht im erweiterten Umfeld der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter, im Rheinland zwischen Köln und Bonn. Ich selbst habe hier in den Anfängen der Hochschule Bildhauerei studiert. Später Waldorf-Pädagogik.
Zitat: „Ein Leben als Familienmensch, mit einem feinen Freundeskreis und einem ebenso großen Bedürfnis nach Freiraum, mit Schaffensdrang und fröhlich ausgelassener Lebensfreude, ja das ist der Hintergrund für all das.“ (H.H.)
Der Antrieb …
Mein anthroposophisches Umfeld hat mich geprägt und ich sehe es als meine Aufgabe an, Freude, Kunst und die Schöpfung kreativen Tuns an andere Menschen weiterzugeben. 23 Jahre Entwicklung der Kunstkurse im Sommer und Winter, 23 Jahre enge Kontakte mit den Kurs-Dozenten, Weiterentwicklung des Konzeptes über die Veränderungen der Zeit und dennoch immer wieder ein Zurückerinnern und Verfestigen auf die innersten Werte dessen, was die Sommerakademie und die Winterwerkstatttage ausmacht, was sie „so besonders“ macht.
Die Erfahrungen, die ich im Laufe dieser langen Zeit machen durfte, geben mir den Mut, ein neues Projekt zu initiieren. Das “Zwergenprojekt.de” Die Zwerge geben Freude, Freude und Mut treffen sich und geben mir fröhlich schwungvollen Antrieb.
Der Beginn …
Als erstes gab’s die Idee, die 120 gekauften weißen Porzellanzwerge während der Sommerakademie zu verschenken. Aber ist das genug? Nein!
Ich habe angefangen, selbst Zwerge aus Ton zu machen, jeden Tag einen – um mir banal jeden Tag eine künstlerische Übung zu verordnen – dann kam Besuch und der machte einfach mit. Es wurden mehr. Es wurden mehr Zwerge und mehr Freunde. Die Zwerge wurden freier und freier, ohne Vorlage und es entstanden erste wirkliche Entwicklungen. Weiter ging es dann mit kleinen Gruppen, zum Auftakt einer Klausursitzung undsoweiter. Aber auch das war nur ein kleiner Anfang.
Im Februar 2011 begab ich mich gemeinsam mit den beiden Eurythmistinnen Andrea Heidekorn und Hannnah Hartenberg auf die Reise zu den Spuren Rudolf Steiners. Mit dem Steiner-Express RS150 reisten wir von Köln nach Donje Kraljevec und zurück. 5 Tage lang im Zug. 5 Tage lang mit 200 Menschen quer durch Europa. Menschen, die gemeinsame Wege haben, die sich in einem Sonderzug der Bahn 5 Tage lang intensiv treffen. Mit an Bord war auch Helmut Hergarten und wir schleppten 70 Kilo Ton mit uns. Nun ja, frau kann ja nicht einfach untätig durch die Gegend reisen…
Andrea und Hannah performten an allen Bahnhofs-Haltestellen. Helmut photographierte die beiden, das Zuggeschehen und die Menschen. Und ich, ich animierte die Mitreisenden dazu, Zwerge zu machen. „150 Zwerge für Rudolf Steiner“ entstanden. Auf einer wundervolle inspirierenden Reise durch Deutschland, Österreich, Serbien und Kroatien.
Diese 150 Zwerge sind es, die hier auf dieser Webseite im getrockneten, noch ungebrannten Zustand photographiert sind. Helmut hat mich überzeugt, dass es wichtig ist, die Zwerge zu dokumentieren. Daß es wichtig ist, ihnen mit den Photos so etwas wie eine erweiterte Persönlichkeit einzuhauchen, die hinausgeht über ihr Dasein in einem Regal oder in Kisten verpackt. Die die Zwerge über die Photographie für viele andere Menschen erlebbar macht.
Dies war der Beginn in aller Kürze. Und wie schon bei den 120 Porzellanzwergen war auch hier wieder die Idee, die Tonzwerge bei der Sommerakademie Alfter zu verschenken. In einer Aktion sollten Sie „durch’s Feuer gehen“ um dann gebrannt und gefestigt für’s Leben auf dem Gelände des Johannishofes ausgesetzt zu werden damit sie gestohlen, verschenkt, stibitzt, verschleppt werden.
Diese Idee hielt in etwa an bis zum Photo-Shooting der 150 Steiner-Zwerge. Danach wurde mir klar, dass aus dem nun halbjährigen Projekt eine Kunstaktion werden kann, werden soll. Ja, werden muss!
Das was in den ersten Monaten entstanden war hatte den Hauch von Banalität längst hinter sich gelassen. Es war intensiv geworden, eine einfache Basis um Kunst zu machen mit sozialem Aspekt.
Die Freude wuchs und wuchs. Die Gedanken kreisten. Die Zwerge bleiben. Ja, sie sind es wert verschenkt zu werden! Aber sie sind es viel mehr wert, in Ruhe zu einem tragenden Projekt entwickelt zu werden, welches als Ernte nur eines kennt: Unbändige Freude, geteilt mit vielen Menschen.
Die Erfahrungen …
Das bisher gesagte beschreibt bereits einen Teil der „Erfahrungen“. Was jedoch weit über all das hinausgeht, das sind die gemeinsamen Erfahrungen mit den Menschen, die Zwerge machen. Die mit ihren Händen ganz einfach, geschickt oder verhalten, supersimpel oder detailliert bis in’s Kleinste Figuren entstehen lassen. Alleine oder in Gruppen. Kinder, junge bis alte Menschen. Die anfangs mit Lust – oder etwas scheu – in den Tonklumpen greifen, dann in einen meist konzentrierten Schaffensprozess eintauchen um schließlich nach 10 bis 15 Minuten mit einem freudigen Strahlen und einem „fertigen Zwerg“ wieder aufzutauchen in der Wirklichkeit. Das Betrachten der Nachbarzwerge gehört dazu. So geschieht es meist in Gruppen.
Wenn die Stimmung intimer ist, wenn mit nur einem oder zwei Menschen „gezwergelt“ wird, dann entsteht der Zwerg während eine Gespräches. Es entsteht so etwas wie eine Interview-Situation. Angeregt, ruhig, gemischt mit Konzentration und zum Schluß wieder mit der Freude.
Die Erfahrung hat gezeigt, wie selbst kleinste Vorgaben dazu führen, dass wirklich Zwerge entstehen, ergänzt durch kleine Kunstgebilde, von kleinen Skulpturen die etwas abdriften vom Thema, die aber dennoch eine schöne Bereicherung darstellen. Die Qualität dessen was entsteht ist beeindruckend.
Und: Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass jeder „sein Ding“ macht. Seinen Zwerg, unverwechselbar detailliert oder einfach, aber nicht orientiert an dem was der Nachbar gerade so macht. Dies macht die wachsende Schar so lebendig, so vielfältig.
Das Wichtigste ist mir die einmalige und vielfältige Ausdruckmöglichkeiten jedes Menschens.
Es ist schon merkwürdig, aber einen Zwerg machen, das kann jeder. Jeder hat ein Bild davon, es ist so kindlich dass man sich traut, es kann nicht falsch werden.
Nur einigen Künstler-Kollegen ist es bisweilen peinlich, tun sich etwas schwer…
Die Entwicklung …
Über 500 Zwerge sind mittlerweile entstanden. Alle weit weg vom Gartenzwerg-Idyll. Aber es sind nicht genug. Es ist erst der Beginn einer prozesshaften Kunst, der Beginn eines wirklich tragfähig Schönen. Das ungeplante und die stetige Veränderung und vor allem die Freude zeichnet es für mich und mittlerweile auch schon für viele andere aus.
Die Entwicklung des Zwergenprojektes erfordert Klarheit. Weitab von Verklärtheiten des Lustgefühls ist es notwendig, dass Wege beschritten werden die zukunftsfähig sind. Die Intensität, Freude und auch Finanzierbarkeit in Einklang bringen.
Das Soziale …
Nicht “facebook” als sogenanntes soziales Netzwerk steht im Vordergrund. Aber es darf das Zwergenprojekt bisweilen transportieren. Das Soziale des Zwergenprojektes liegt im Ursprünglichen. Miteinander im Kleinen an einem in sich geschlossenen und dennoch wachsenden künstlerischen Prozess teilhaben. Für alle! Unabhängig ob die Menschen zu den Gewinnern oder zu den Randgruppen der Gesellschaft zählen. Gerade die Einfachheit des Projektes eröffnet ein ebenso einfaches Miteinander aller gesellschaftlichen Gruppen.
Ein gemeinsames Eintauchen um mit Menschen jedweder Herkunft, Bildung, Religion, Nation etwas zu tun was so simpel ist, so! einfach von jedem Menschen geschaffen werden kann: Ein kleiner Zwerg aus Ton, geformt und belebt in vielleicht 15 Minuten. Mit den eigenen Händen, mit aller Kreativität.
Teil sein eines handwerklich simplen Tuns, der erst in der Summe den Status des netten, des artifiziellen verlässt und mit der Zeit mehr und mehr erwächst zu einer sozialen Kunst.
Der Partner …
Helmut Hergarten möchte mich gerne begleiten. Professionell und kraftvoll als enger Freund, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Der als Architekt & Photograph Zusammenhänge der künstlerischen Schöpfung zu verstehen vermag. Mit seiner Kamera die Begleitung des Zwergenprojektes in Bild und Ton festhalten, mit mir reisen. Weiterentwicklungen ermöglichen, voranbringen, um dem Projekt öffentlichen Raum zu geben. Um es professionell festzuhalten für die Zukunft, für die Kunst und für das Soziale des Zwergenprojektes.
In Bildern, Photos und Videos, die nicht nur Zwerge zeigen, die Entstehungsprozesse abbilden, die Freude tranportieren. Multimedial und öffentlich. In Fußgängerzonen, auf Plätzen und in Museen. In der Stadt und auf dem Land. In Deutschland und international. Die Ideen, Visionen und Wünsche sind vielfältig und lustvoll.
Bilder, Videos von der Einfachheit dessen, was Menschen mit ihren Händen schaffen um sich selbst, um letztlich viele zu begeistern. Für eine kurze Zeit der Entstehung, für eine schöne Erinnerung, für eine mediale Ewigkeit all dies festzuhalten und zu bannen auf das, was nicht mehr Zelluloid ist. Damit es nun in digitaler Form die Reise um die Welt antreten kann.
Reisen, sammeln, entwickeln, zur Ruhe kommen, Qualitäten suchen, Öffentlichkeit beteiligen und reisen wieder. Die Bilder gehen ihre eigenen Wege, um immer wieder zurückzukommen, ergänzt zu werden, neue Freude zu transportieren. Eine wundervolle Befruchtung aus gegenseitiger Freude und kraftvoller Freundschaft.
Die Zukunft …
Die Zukunft ist eine Zwergen-Zukunft. Aus Ton. Neue Zwerge entstehen. Jeder anders als alle anderen. Und was nun? Sie in Regale und Kisten stellen? Wiederum ein klares Nein!
Das Zwergenprojekt ist ein offenes Projekt und es soll Öffnung erfahren. Öffnung in die Öffentlichkeit. Als professionell angelegtes Projekt, Mit kraftvoller Unterstützung durch die Bilder, Videos und Tonaufnahmen. Vom Entstehungsprozess bis zum Ergebnis. Dicht, intuitiv, kraftvoll. Klar strukturiert in allen Apskten und trotzdem immer wieder zurückblickend auf den Sinn, auf den tatsächlich innersten Inhalt der künstlerischen Arbeit.
Die konzeptionelle Idee umfasst so vieles mehr als nur die Erschaffung, und die Darstellung fertiger Zwerge.
Institutionelle Unterstützung ist wichtig, wird notwendig um dem, was geschaffen wurde, Raum zu geben in der Öffentlichkeit. Menschen allen Alters, aller Herkunft daran teilhaben zu lassen. Die Medien transportieren die Idee, werben mit für das Projekt.
Ich hege Wünsche und Visionen für die Zukunft des Zwergenprojektes. Die lustvolle Notwendigkeit zu reisen, die Verbindung von Menschen in der Stadt und auf dem Land. Sie teilhaben zu lassen am Erschaffen, sie teilhaben zu lassen an dem, wie andere Zwerge entstanden sind.
Aus dem sozialen Aspekt der kleinen Kunst in der Summe ihrer Qualität eine tragfähige “Soziale Skulptur” entstehen zu lassen.
Die Freude …
Ich möchte dieses Wort nicht überstrapazieren. Aber genau das ist es schlichtweg!
Es ist eine Freude, dieses Zwergenprojekt zu initiiren, es weiter zu entwickeln, die Menschen mit zu nehmen auf eine Reise. Das Zwergenprojekt gibt mir Kraft und versorgt mich mit positiven Gedanken, Ideen, Visionen. Es erfreut jeden, der sich darauf einlässt und es bringt eine soziale Komponente in die Einfachheit des Tuns und Schaffens die ihresgleichen sucht.
Freude war es zu Beginn. Mit den weißen Porzellanzwergen. Mit den ersten Tonzwergen, mit allen weiteren, mit den Menschen, den Freunden, mit dem lustvollen Antrieb, das zu schaffen was solch ein kleiner Tonzwerg halt ganz einfach schaffen kann:
F R E U D E !
Es ist alles ganz einfach.
Es ist ganz einfach für alle !
Stefanie Gather, im September 2011
Helmut Hergarten für Stefanie Gather




